Kompensationsmechanismen

Wer seine Infrastruktur nicht umbauen oder sein Verhalten nicht ändern möchte, verweist oft darauf, dass er andere dafür bezahlt, dass sie die von ihm verursachten CO2-Emissionen vermeiden. Abgewickelt wird dies über den Handel mit CO2-Zertifikaten. Zertifikatanbieter bekommen dann Geld dafür, dass sie ihrerseits CO2 einsparen. Im besten Fall gelangt so die fragliche Menge CO2 nur einmal und nicht doppelt in die Atmosphäre.

Problematisch daran ist, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre durch dieses Vorgehen weiter steigt, selbst dann, wenn die Kompensations- mechanismen funktionieren.

Aktuelle Untersuchungen zeigen jedoch, dass es Unternehmen gibt, die sich darauf spezialisiert haben, extra viele Emissionen zu verursachen, um sich dann mit Zertifikaten dafür bezahlen zu lassen, dass sie diese dann doch verhindern. Beispielhaft sei hier die Produktion von HFC-23 genannt. Dieses Treibhausgas ist 11.700 mal wirksamer als CO2, und mit seiner Vernichtung verdienen die Hersteller demzufolge 11.700 mal mehr Geld als mit der Vernichtung von CO2. Das hat zur Folge, dass die Vernichtung des Gases 65 bis 75 mal mehr Erlöse einbringt als seine Herstellung kostet.

Dieser sehr lukrative Handel mit Zertifikaten hat offenbar Anreize geschaffen, die dazu führten, dass eigens Firmen gebaut wurden, die die hoch klimawirksamen Substanzen herstellen, um diese dann gegen Zertifikate wieder zu vernichten. Von echter Emissionsvermeidung kann hier nicht die Rede sein. Mehr Informationen dazu finden Sie hier:

Pressemitteilung CDM Watch zum Thema HFC-23

WDR Monitor Sendung vom 19. August 2010

Sandbag-Studie (deutsch) aus EurAktiv vom 20.Juli 2010

Umweltbundesamt (allgemeine Informationen zum Emissionshandel)

TheCompensators (Verein, der CO2-Emissionszertifikate kauft und vernichtet)


Eine Folge des Klimawandels ist, dass wir die Kosten und damit die Auswirkungen für unseren Lebensstil auf andere verlagern können. Die Auswirkungen, die wir heute schon in Form von Überschwemmungen, Unwettern, Dürren und Meeresanstieg sehen, sind die Folgen des Handelns der vorherigen Generationen. Sie sind heute schon alarmierend und deshalb heißt es jetzt aktiv zu werden.

Wenn Sie diese Argumente nicht überzeugen und Sie trotzdem Zertifikate erwerben möchten, sollten Sie sehr genau prüfen, wem Sie Ihr Geld geben.

Die Tufts Climate Initiative der Tufts Universität in Medford (USA) hat die Möglichkeiten der freiwilligen Kompensation bei Flugreisen untersucht und empfiehlt die folgenden Anbieter:

Atmosfair

Climate friendly

My Climate

NativeEngergy


Informationen dazu finden Sie auch beim Projekt Verbraucher fürs Klima beim Verbraucherzentralen Bundesverband.

Doch es bleibt dabei, Kompensation ist keine Lösung. Derzeit gilt unser westlicher Lebensstandard weltweit als erstrebenswert. Um zu verhindern, dass andere Kulturen unseren derzeitigen, teilweise nicht zukunftsfähigen Lebensstilen nacheifern, ist es zielführend, wenn wir intelligente, attraktive, post-carbone Ansätze entwickeln.